Arten der Lagerung

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Lagerung von Waren erfolgt auf unterschiedlichste Weise. Abhängig von der Form und Menge des Lagergutes, der Umschlaghäufigkeit und der Haltbarkeit der eingelagerten Güter, abhängig von Wert und Wertigkeit ergeben sich die verschieden Lösungen zur Lagerung der einzelnen Güter


Bodenlagerung
In der Menschheitsgeschichte ist die Lagerung von Lebensmitteln, Vorräten und Werkzeugen, Ersatzteilen und Feuerholz so alt wie die Menschheit selbst. Dies erfolgt in der Frühzeit in Höhlen, Gruben oder in abgezäunten Stallungen - ebenerdig. Diese Art der Lagerung ist die einfachste Form. Hierbei wird das Lagergut auf Transporteinheiten (Europaletten) oder in ihrer Verpackung (Kisten, Fässer, Sackware, u.ä.) in Reihen oder Blöcken gelagert. Zur Entnahme muss allerdings unter Umständen erst anderes Lagergut bewegt werden, um an die zu entnehmende Ware zu gelangen. Besonders bei Reihenlagerung kommt es oft vor, dass die hinterste Palette gerade benötigt wird und erst die gesamte Reihe abgebaut werden muss. Die Lagerung der Waren sollte, gerade bei verderblicher Ware, nach dem FIFO-System erfolgen, was allerdings bei der Bodenlagerung mit erheblichen Mehrarbeiten durch ständige Umschichtungen verbunden ist. Vorteil ist jedoch eindeutig der geringe Investitionsaufwand dieser Art der Lagerung - notfalls reicht bereits ein einfacher Hof oder Parkplatz dafür. Bei Stapelung der Paletten oder Kisten ist eine gute Raumausnutzung möglich.

Blocklagerung
Die Blocklagerung ist eine Abwandlung der Bodenlagerung nach dem SILO-Prinzip. Hierbei werden die einzelnen Lagereinheiten (Ware in lagerfähiger Verpackung) übereinander in Gruben oder Silos durch einen Kran gestapelt. Vorteile sind die maximale Raumnutzung bei relativ geringem Investitionsaufwand. Nachteil ist die Schwierigkeit des Zugriffs auf die Ware, wenn ausgerechnet die unterste Partie (Teile einer zusammenhängenden Lieferung) benötigt wird. Boden und Blocklagerung eignen sich hauptsächlich für gleichförmige Waren in großen Stückzahlen, palettierte oder großformatig verpackte Waren und als Kommission- und Versandlager.

Silolager
Silolager sind vorgesehen für Lagerung von Schüttgut, wie Getreide, Mehl, Zement, Sand, Granulate und Futtermischungen. Die Beschickung erfolgt von Oben, die Entnahme meist durch eine Schütte von unten. Damit ist eine Lagerung nach FIFO Prinzip schon vorgegeben.

Regallagerung
Die meisten Lager sind mit Regalen   ausgestattet. Regale bieten den Vorteil, Waren übersichtlich und gut greifbar zu verstauen - dabei ist die Raum- und Platzausnutzung sehr hoch. Verschiedenste Güter können dabei im selben Lagerraum zusammen gelagert werden, das Auffinden einzelner Teile ist dabei - eine vernünftige Organisation vorausgesetzt - problemlos möglich. Je nach Aufgabe sind verschiedene Regalsysteme im Einsatz, die Kombination dieser Systeme und ein flexibler Aufbau ist recht einfach möglich. Nachteile sind in den recht hohen Anschaffungskosten und in der Schaffung der notwendigen Arbeitsgänge und –Wege zu sehen. Je nach Regaltyp ist eine flexible Anpassung an unterschiedliche Mengen und Größen nicht oder nur schwer möglich.

Die Regaltypen im einzelnen

1. Fachbodenregal
Fachbodenregale  nennt man Regale, die mehrere Regalbretter übereinander besitzen und nebeneinander angeordnet werden. Die einzelnen Fachböden können fest oder flexibel befestigt sein. Die Stützen dieses Regal sind normalerweise fest miteinander verbunden und gegen Kippen und Verbiegen gesichert. Die Lastenverteilung geschieht dabei recht gleichförmig und senkrecht zum Boden. Einfaches Beispiel für ein solches Regalsystem ist das Bücherregal. Die Lagerung der einzelnen Artikel / Güter kann dabei entweder in Lagersichtbehältern oder in der Originalverpackung, bzw. der Umverpackung erfolgen. Die Kennzeichnung der Artikel ist problemlos möglich und ein Platzsystem (siehe unten) ist leicht zu organisieren.

2. Kassetten oder Wabenregal
Diese Regale werden meist zur Lagerung von Langgut (z.B. Gewindestangen, IC-Verpackungen, Strangprofile oder Rohre) verwendet. Die Beschickung oder Entnahme erfolgt dabei von einer der Frontseiten, die Kontrolle des Bestandes ist mit einem Blick möglich. Die verwendeten Materialien sind recht problemlos, z.B. Holz, Kunststoff oder Metall. Die Einbindung in ein Platzsystem und das Auffinden von Gütern sind problemlos. Ein einfaches Beispiel ist das Flaschenregal.

3. Sortiments- oder Schubfachregal
Ist eine Sonderform des Fachbodenregals - die Lagerung erfolgt in fest montierten meist durchsichtigen Auszugfächern, die mit den einzelnen Teilen bestückt werden. Hauptsächlich geeignet für Kleinteile und geringe Lagermengen, leicht zu überschauen und gut zu nummerieren. Inflexibel bei Mengenänderung oder Sortimentsänderung. Beispiel: Sortimentskasten aus dem Baumarkt (Kleinteilemagazin)

4. Palettenregal  oder Schwerlastregal
ähnlich wie das Fachbodenregal aufgebaut, wurde hierbei auf den Boden verzichtet. statt dessen sind die Paletten auf Querstreben zwischen den Stützen abgestellt. Die konstruktive Stabilität gewährleistet eine hohe Gewichtsbelastbarkeit. Es können mehrere Paletten unabhängig voneinander gestapelt werden und sind leicht erreichbar. Vorteil: relativ geringe Investitionskosten, hohe Platz und Raumausnutzung, gute Übersicht. Nachteil: Inflexibel bei Maßänderung oder erhöhtem Stellbedarf, nur bedingt flexibel erweiterbar, zwingend die Nutzung eines Flurförderzeuges (Stapler, Drohne) Beispiel: Baumärkte und Baustoffhandel mit palettierten Waren, Getränkegroßhandel mit Palettenweiser Lagerung der Getränkekästen.

5. Paternosterregal
Paternosterregale sind wahre Wunder der Raumausnutzung. Durch ihre Konstruktion bewegen sie die Ware selbsttätig zum Arbeitsbereich des Lageristen, somit sind sie ein Vertreter der dynamischen Lagerung. Sie bieten auf der einen Seite den Vorteil, die Arbeitswege zu verkürzen und somit eine hohe Kommissionierleistung zu unterstützen - auf der anderen Seite sind die Wartezeiten und die hohen Investition- und Wartungskosten ein Nachteil. Zudem lassen sie sich nur schwer erweitern und sind somit nicht besonders flexibel. Sie eignen sich für Kleinteile und kleine Mengen, lassen sich automatisieren und bieten die Möglichkeit einer ergonomischen Arbeitsplatzgestaltung. Beispiel: Teppichregal im Baumarkt

6. Umlaufregal
Diese Regalart findet sich zum Beispiel in der Textilindustrie, wo fertige Bekleidungsstücke oder Stoffmuster in ein Fördersystem eingehängt werden, das ähnlich einem Fließband diese Waren zum Mann bringt. Es lassen sich auf diese Weise viele Kleidungsstücke auf kleinem Raum verstauen und schnell entnehmen. Auch hier ist die Automatisierung und ergonomische Arbeitsplatzgestaltung kein Problem.(Dynamische Lagerung) Die Nachteile sind die selben, wie beim Paternosterregal: hohe Investitionskosten und Wartungsanfälligkeit

7. Verschieberegal
Dieses ist im Aufbau ein Fachboden oder Schubfachregal, wobei allerdings das gesamte Regal quer oder längs verschoben werden kann. Diese Regale werden gegeneinander geschoben und nur ein Gang für die Beschickung oder Entnahme bleibt frei. Der Raum wird dadurch optimal genutzt, der Gang ist immer nur am jeweiligen Regal frei. Den Vorteilen der Raumausnutzung und der Dynamischen Lagerung steht der hohe Aufwand für Sicherheit und Wartung gegenüber. Zudem sind die Investitionskosten schon allein durch die vorgeschriebene Installation der Sicherheitstechnik (Lichtschranken, Bodensensoren, Bewegungsmelder, Hydrauliksperren...) recht hoch. Beispiel: In manchen Apotheken werden Medikamente in solchen Regalen gelagert.

8. Hochregal (automatisches Hochregallager)
Ist ein Fachboden oder Schwerlastregal mit einer großen Höhe (bis zu 45 m!) und wird meist in Verbindung mit vorinstallierten Hebe- und Fördereinrichtungen, oder Fahrkörben zur Beschickung und Entnahme der Ware eingesetzt. Der Vorteil liegt hierbei in der hohen Raumausnutzung und der guten Überschaubarkeit, in Verbindung mit automatisierten, EDV gesteuerten Förderzeugen und dem Einsatz eines Datenverarbeitungs und Buchhaltungssystem, ist der Aufbau eines vollautomatischen Hochregallagers möglich. Bei geringem Personalbedarf ist eine hohe Leistungsfähigkeit in der Einlagerung und Kommissionierung der Güter, ihre schnelle Verfügbarkeit und die gute Raumnutzung gewährleistet. Es sei denn, das EDV-System stürzt ab... Die hohen Investitionskosten rechtfertigen sich nur bei einem hohen Warendurchsatz und hohem Arbeitsaufkommen durch Umschlag, Kommissionierung und Versand.

9. Kragarmregal
Sie bestehen aus einem Stützwerk und waagerecht zum Boden angeordnete Arme, wobei mindestens zwei in Flucht zueinander stehen. Auf diese Arme legt man zumeist Langgut, wie Eisenträger, Rohre, Profile, Balken, Textilwalzen oder Walzblechrollen.

10. Einstellregal
Eine „Regal“ mit senkrecht angeordneten Stützen, zwischen die man Beispielsweise Bleche, Gitterbleche und Holzplatten stellt. Beispielsweise in Baumärkten zur Lagerung von Arbeitsplatten oder Funierhözern benutzt.

11. Durchlaufregal
Hierbei werden Paletten oder Kartons auf der Rückseite des Regals beschickt und auf der Vorderseite entnommen. Die Ware wird durch Rollen oder Walzen mit einem leichten Gefälle automatisch transportiert - Bei Entnahme rutscht die nächste Einheit nach. Vorteil ist die bauartbedingte Einhaltung des FIFO-Prinzips, Nachteile sind die Kosten und die relativ geringe Platzausnutzung bei schwankenden Warendurchsatz. Weiterhin gibt es noch die Lagerung von Flüssigkeiten in Tanks, die Haldenlagerung (Kohlehalde, Zementhalde), die Förderlagerung (Transport der Kohle vom Abbau direkt ins Kraftwerk - also eigentlich keine Lagerung sondern Transport) und die Auslagerung auf LKWs, Bahnwaggons, usw. als rollende Lagerung im J.I.T.-Verfahren...

Autor: www.mawilog.de/
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Albrecht
Klasse Material, sehr aufschlussreich sind die Praxisbeispiele
17
Nov
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